Einige Informationen über die Abtei


Die Entstehung des Augustinerordens

Aus der Geschichte der Altbrünner Basilika Mariä Himmelfahrt auf dem Mendelsplatz

Altbrünner Madonna – Jungfrau Maria vom hl. Thomas – Palladium der Stadt Brünn

Der Silberne Altar

Der Hauptaltar der Basilika

Die Gründerin des Domes Mariä Himmelfahrt – die königliche Witwe Eliška Rejèka

Die Augustiner Thurn Stiftung

Bedeutende Persönlichkeiten aus den Reihen der Brünner Augustiner

Die Zeit des Nationalsozialismus und die kommunistische Ära

Gottesdienstzeiten in der Basilika

Abteiführungen
Gregor Mendel Ausstellung
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Die Entstehung des Augustinerordens

Heute lautet die gängige Bezeichnung des Ordens Augustiner, Orden des hl. Augustinus oder Orden der Brüder des hl. Augustinus, latein: Ordo Fratrum Sancti Augustini (OSA). (Diese Bezeichnung wurde von der römischen Kongregation für die Orden am12.2.1969 angenommen.)

Der Orden entstand im Mai 1244 als Ergebnis der Vereinigung einiger Gruppen von Eremiten aufgrund von zwei Bullen des Papstes Innocenc IV. Incumbit Nobis und Praesentium vobis am 16.12.1243. Die Bullen richteten sich an „alle Einsiedler in der Toscana mit Ausnahme der Brüder des hl. Wilhelm (Wilhelmiten)“. In der Bulle Praesentium vobis wurde erklärt, wie bei der Vereinigung vorzugehen sei. Die zweite Bulle, Incumbit Nobis, ist die Gründungsurkunde des Ordens.

   

 

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G. J. Mendel

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Das Gründungskapitel des Ordens fand im Mai 1244 unter dem Vorsitz des Kardinals Richard Annibaldi und unter Teilnahme zweier Zisterzienser statt. Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als wäre die Initiative von Innocenc IV. ausgegangen, aber tatsächlich verhielt es sich anders.Die Eremiten, bzw. die Mehrheit unter ihnen erbaten vom Papst (in der Bulle Cum vos vom 26.3.1244) die Ordensregel des hl. Augustinus (Bulle Cum a nobis vom 28.3.1244, Pia desideria vom 31.3.1244 und auch in Cum a nobis vom 15.2.1254) zur Ordensgründung. Mit der Bulle Licet ecclesiae nahm Papst Alexander IV. im Jahre 1256 die juristische Ordensgründung vor.

Die Ausrichtung des Ordens wurde vom Papst in verschiedenen Dokumenten festgelegt. Schon im März 1244 wurde klar auf den apostolischen Charakter hingewiesen. Der kontemplative Lebensstil der Ordensmitglieder sollte als sein bezeichnender Zug erhalten bleiben. Das Suchen nach Gott „in gewisser Einsamkeit“, wie es aus dem früheren Lebensstil der Eremiten hervorgeht, sollte nach der Ordensgründung in der brüderlichen Gemeinschaft fortgesetzt werden.

Der Augustinerorden ist schon seit dem 13. Jahrhundert exempt, das heißt, dem bischöflichen Wirkungsbereich enthoben.  Der Zweck des Ordens ist keine bestimmte Tätigkeit, auch nicht das Apostolat als Solches. Dies geht eher aus dem Bestreben hervor, das, was die Ordensmitglieder in ihrer Verbindung mit Gott und den Brüdern in der Gemeinschaft erhalten und zwar je nach ihrer Begabung, aber immer in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Kirche, auf die anderen zu übertragen und mit ihnen zu teilen. Das aktive Apostolat stellt einen Teil des Ordenslebens dar, keinesfalls jedoch sein eigentliches Wesen.

Der hl. Augustinus stellt an den Beginn seiner Ordensregel, was der eigentliche Zweck des Ordens ist: „Das erste Ziel eures gemeinschaftlichen Lebens ist, in Eintracht zusammenzuwohnen und „ein Herz und eine Seele“ in Gott zu sein.“ (Ordensregel, I,3)

Der Augustinerorden gehört aufgrund seiner Tradition zu den Bettelorden.

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Aus der Geschichte der Altbrünner Basilika Mariä Himmelfahrt

Auf dem Gelände der Altbrünner Abtei wurden drei Bauphasen des Sakralgebäudes entdeckt – ein gotisches, ein romanisches einschiffiges mit einer rechteckigen Apsis und darunter die Reste einer Rotunde, deren Ursprung im späten 10. bzw. frühen 11. Jahrhundert zu suchen ist.

Das jüngere, romanische Heiligtum in Rotundenform, wurde als Kapelle der Jungfrau Maria indentifiziert, das in schriftlichen Quellen vom Anfang des 12. Jahrhunderts erwähnt wird.

Bis zur zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gab es schriftlichen Quellen zufolge in Alt Brünn drei sakrale Bauten: die Kapelle der Jungfrau Maria, die Kapelle des hl. Ulrich und die Kapelle des hl. Wenzel.

Eine archäologische Untersuchung bestätigte den Grundriß der gotischen Kirche, die Eliška Rejèka im Jahr 1323 erhielt und hier ein Zisterzienserinnenkloster gründete. Im Fundament des gotischen Baus wurde gleichzeitig Mauerwerk der ursprünglichen romanischen Kirche entdeckt. Darauf beziehen sich zweifellos die ersten schriftlichen Nachrichten aus dem Jahr 1210 über die Existenz der Kirche der hl. Jungfrau Maria.

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Altbrünner Madonna – Jungfrau Maria vom hl. Thomas – Palladium der Stadt Brünn

Dieses Bildnis ist in einen reichgeschmückten, barocken Altar eingefügt, der vor dem Hauptaltar in der Baslika Mariä Himmelfahrt in Alt Brünn steht. Hierher wurde er im Jahr 1783 aus der Kapelle der St. Thomas Kirche gebracht, als die Augustiner, die dieses Bild seit dem Mittelalter besaßen, in das aufgelöste Kloster der Zisterzienserinnen in Alt Brünn einzogen.

In der Huffnagelchronik (Klosterchronik der Augustiner aus dem Jahr 1664) kann man über die Krönung des Bildes im Jahr 1736 lesen. In der Festschrift, die aus diesem Anlaß erschien, Gemma Moravia und Conchylium Marianum, wurden die Ansprachen veröffentlicht, die anläßlich der feierlichen Krönung gehalten wurden. Dieser Chronik zufolge wurde das Bildnis vom hl. Lukas gemalt. Aus Konstantinopel, wohin es von der hl. Helena gebracht wurde,  gelangte es später durch Bischof Eustorgius über Genua nach Mailand. Nach der Eroberung der Stadt durch Kaiser Friedrich schenkte dieser das Bild als Dank für die Tapferkeit und Hilfe dem Böhmischen König Vladislav, der es nach Prag brachte. Das weitere Schicksal des Bildes ist laut Gemma mit Karl IV. verbunden, der es im Jahre 1356 seinem Bruder, Markgraf Johann, schenkte.

Der erste historische Beleg über das Bild in Brünn stammt aus dem Jahre 1373. In der Urkunde vom 20. August gewährt der Bischof von Olmütz, Johannes IX. vierzigtägigen Ablaß für den Altar mit dem Marienbild in der Kirche zu St. Thomas in Brünn. Es folgen weitere schriftliche Nachrichten, in denen das Bild erwähnt wird. Die Existenz des Bildes in Brünn Ende des 14. Jahrhunderts ist damit historisch belegt.

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Der Silberne Altar

Die Brünner Augustiner erhielten im Jahre 1727 die Erlaubnis des Heiligen Stuhles, die Krönung des verehrten Bildes vorzunehmen. Noch bevor Prior Zirkl (ein ausgezeichneter Organisator) in Rom die endgültige Zustimmung für die Krönung erlangte (datiert vom 10. Mai 1736), schloß er einen Vertrag mit dem Augsburger Goldschmied Johann Georg Herkommer über die Fertigung eines Altares ab, in den das Bild eingefügt werden sollte. So entstand der „Silberne Altar“ und darüber hinaus noch Altarleuchter, ein Set liturgischer  Gefäße – drei Meßkelche, Kännchen mit Tablett, eine Monstranz und ein Bischofsstab. Auch Meßgewänder wurden angeschafft.

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Der Hauptaltar der Basilika

Das monumentale Bild der Himmelfahrt der Jungfrau Maria in der Mitte des Altares malte Josef Thaddäus Rotter. Andreas Schweigl schuf zwei Altäre bei den Säulen zwischen dem Hauptschiff und den Seitenkapellen. Den Hauptaltar überragt eine Skulpturengruppe, die die hl. Dreifaltigkeit darstellt. Vor dem ursprünglichen Altar, der aus der Zeit stammt, als Zisterzienserinnen in dem Kloster lebten, steht der silberen Herkommer Altar mit dem Bildnis der hl.Maria von St.Thomas. Den silbernen Altar mit dem verehrten Bild stellten die Augustiner hier auf, nachdem sie ihr Kloster und die Thomaskirche im Zuge der Säkularisierung durch Kaiser Joseph II. verlassen und nach Alt Brünn ziehen mußten.

Der Silberne Altar

Anfang der 60er Jahre des 18. Jh. entstanden Altäre im Haupt- und im großen Querschiff. Die Bilder malte Josef Thaddäus Rotter, die plastische Ausschmückung stammt von einem unbekannten Stukkateur.

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Die Gründerin des Domes Mariä Himmelfahrt – die königliche Witwe Eliška Rejèka

Im Jahr 1297 verwitwete König Wenzel II. ganz plötzlich. Damals wurde ihm die Hand der vierzehnjährigen polnischen Prinzessin Richenza, polnisch Ryksa, angeboten. Mit ihrer Hand erwarb er auch den polnischen Thron. Die Krönung fand im Jahre 1300 in Hnìzdnì statt. Nach der Krönung nahm die junge Königin den Namen Eliška an. Die Böhmen änderten ihren Namen in das populäre REJÈKA  und wahrscheinlich  zur Unterscheidung von Wenzels nur um wenig jüngere Tochter Eliška, auf  ALŽBÌTA REJÈKA. In Polen glaubte man, dass durch ihre Verheiratung in das damals märchenhaft reiche Böhmen (zu dieser Zeit lieferte Kuttenberg (Kutná Hora) dem königlichen Hof wöchentlich fünf bis sechs Pfund Silber ab) ihre Prinzessin bis zu ihrem Tod bestens versorgt sein würde. Aber das Schicksal wollte es, dass sie bereits mit zwanzig Jahren verwitwete. Wenzel II. starb an Schwindsucht. Sein Nachfolger Wenzel III. wurde ermordet und die böhmischen Stände ließen sich Rudolf von Habsburg als Herrscher aufzwingen und zwar unter der Bedingung, dass er sich mit einer der unverheirateten Prinzessinen vermähle. Es kamen Eliška und Margarete in Frage, Rudolf nahm sich jedoch die schöne, zwanzigjährige, königliche Witwe Eliška. Aber schon ein Jahr darauf war sie zum zweiten Mal Witwe. Fünf Jahre lebte sie nun in der Stadt Königgrätz, die sie zum Geschenk erhalten hattte. Hier gründete sie den Heiligen Geist Dom. In dieser Zeit wurde der mächtigste Mann des Königreiches, Heinrich von Lipa, ihr Favorit, Freund und Beschützer. Diesen Schutz hatte sie auch tatsächlich nötig, denn zwischen ihr und der neuen Königin Eliška Pøemysl brach eine tiefe Abneigung aus, besonders als Johann von Luxemburg begann, öfter nach Königgrätz zu reisen, als es die Ausübung seiner königlichen Macht erfordert hätte. Dennoch war der eindeutige Favorit Eliška Rejèkas Heinrich von Lipa, der Landeshauptmann von Mähren wurde. Nach seiner Ernennung zog sie augenblicklich um.

oltarJ1det.jpg (27303 bytes)Königin Eliška Rejèka gründete in Alt Brünn bei der älteren Pfarrkirche der Jungfrau Maria ein Zisterzienserinnenkloster, das Aula Sanctae Mariae (Saal der heiligen Maria) genannt wurde. Der erste Zufluchtsort der Ordensschwestern war nur ein Provisorium. Doch die Großzügigkeit der Gründerin und die Gaben von Magnaten ermöglichten einen sofortigen Baubeginn und die Arbeiten schritten rasch fort. Im Jahre 1332 ließ sich die Gründerin dauerhaft im Kloster nieder. Im Jahr 1335 starb Eliška Rejèka. Der Chronik zufolge wurde sie beim Altar zum heiligen Kreuz am Schnittpunkt zwischen Presbyterium und dem  Querschiff der Kirche des Konvents beigesetzt. Ihre letzte Ruhestätte ist mit einer Kachel mit dem Buchstaben E gekennzeichnet.

Im 18. Jahrhundert wurde die Prälatur errichtet. Dieser barocke Komplex ist ein Werk Moritz Grimms.

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Der Anteil der Brünner Augustiner an der Entwicklung von Wissenschaft, Kultur und Künsten

Der Augustinerorden, der im Jahr 1244 entstand, siedelte sich im Jahr 1346 in Brünn an. Die Gründungsurkunde ihres Brünner Klosters stellte sechs Jahre später der mährische Markgraf Johann Heinrich von Luxemburg aus. Die grundlegenden Tätigkeiten der Brünner Augustiner waren Seelsorge, schulische und wissenschaftliche Tätigkeiten.

Die Augustiner Thurn Stiftung

Im Jahre 1653, als die Augustiner noch im Kloster zum hl. Thomas am heutigen Mährischen Platz zu Hause waren, entstand durch das Vermächtnis der Brünner Adeligen Sibylla Polyxena Franziska von Montani, geb. Comtesse von Thurn und Walsassina, eine Stiftung zur Unterstützung und Förderung der Musik. Die Stipendiaten, zunächst sechs an der Zahl, später elf und mit der Zeit kamen immer mehr Freiwillige und Amateure dazu, wurden in der Musik und im Spiel unterschiedlicher Instrumente ausgebildet. Sie hatten ein kleines Orchester und sorgten auch für Kirchenmusik und Gesang. Der Hauptbeitrag dieser Stiftung war die bedeutende Bereicherung des damaligen Brünner Musik- und musikpädagogischen Lebens.Im Jahre 1848 schloß in schöpferischer Weise Pavel Køížkovský an das Werk des Abtes Napp an. Er wurde nach Ablegung seiner Ordensgelübte Leiter des Altbrünner Chores und Leiter der Schule der Stiftung von 1848 – 1872. Im Jahre 1848 komponierte er das bekannte Chorwerk Utonulá (Die Ertrunkene), im Jahre 1855 das Chorwerk Dar za lásku (Geschenk für die Liebe) und im Jahr 1863 die Kantate Sv. Cyril a Metodìj (Hl. Cyrill und Method). Unter seiner Leitung wurden im Refektorium der Abtei Kammermusik, symphonische Werke und auch Schauspiele aufgeführt.

Im Jahre 1865 wurde der junge Leoš Janáèek, der aus seinem Geburtsort Hukvald nach Brünn kam, Stipendiat der Stiftung. 1872, nachdem Pavel Køížkovský nach Olmütz gegangen war, übernahm Janáèek die Leitung des Altbrünner Chores. Er war ebenfalls Lehrer am nahegelegenen Institut auf der Poøíèí Straße (der heutigen Pädagogischen Fakultät der Masarykuniversität in Brünn). Ab 1881 war er Leiter der neugegründeten Brünner Orgelschule.

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Bedeutende Persönlichkeiten aus den Reihen der Brünner Augustiner

Cyril František NAPP

Antonín THALLER

František Matouš KLÁCEL

František TomᚠBRATRÁNEK

TomᚠEduard ŠILINGER

Gregor Johann MENDEL

Pavel KØ͎KOVSKÝ

Leoš JANÁÈEK

Cyril František NAPP (1782-1867)

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trug der Augustiner Abt Cyrill František Napp in beträchtlichem Maße zum Studium der Geschichte und der Entwicklung des Brünner böhmisch nationalen und kulturellen Lebens bei. Er stand ganze 44 Jahre lang an der Spitze der Gemeinschaft der Augustiner. Es gelang ihm, begabte junge Leute aufzunehmen, womit er eine Tradition gründete, die es einzelnen, schon in diese Richtung orientierten Personen ermöglichte, dank der Brünner Augustiner Zugang zur Bildung zu erhalten. Viele von ihnen wurden zu bedeutenden Persönlichkeiten.


Antonín THALLER
  (1796-1843)

Antonín Thaller wurde nach Ablegung seiner Ordensgelübde Professor für Mathematik und wirkte bahnbrechend in der Brünner Botanik. Auf seine Initiative hin ließ Abt Napp im Garten der Abtei Versuchsbeete anlegen (1828), die später die Grundlage für die Tätigkeit Gregor Johann Mendels wurden.


František Matouš KLÁCEL
(1808-1882)
(Klácelova Straße im Masaryk Viertel)

František Matouš Klácel war zu seiner Zeit ein bedeutender Vertreter des literarischen Lebens in Mähren. Seine Ausbildung genoß er am Institut für Philosophie in Litomysl und vertiefte sie in der Augustinerabtei. Im Jahre 1835 wurde er Professor am Brünner Institut für Philosophie und begann zu dichten. Auf fachlichem Gebiet äußerte er sich mit der Schrift Poèátky vìdeckého mluvnictví èeského (Beginn der tschechischen, wissenschaftlichen Grammatik).  

František TomᚠBRATRÁNEK (1815-1884)

František TomᚠBratránek, Klácels Freund, wurde sein Nachfolger in der Funktion des Philosophieprofessors am Brünner Bischöflichen Gymnasium. Seine Fächer waren die Philosophie, die schönen Künste und deutsche Literaturgeschichte. 1851 ging er nach Polen, wo er Professor für deutsche Literatur und später Rektor an der Jagellonen Univerität in Krakau wurde.


TomᚠEduard ŠILINGER
(1866-1913 )
(Šilingrovo nam./ Šilingerplatz in Brünn Mitte)

TomᚠEduard Šilinger war ein führender und bedeutender mährischer Journalist, Politiker und böhmischer Patriot. Vom Jahr 1896 an führte er die tschechische Tageszeitung Hlas (Stimme). Er wurde 1906 Landtags- später Reichstagsabgeordneter in Wien. Er war Mitgründer der Brünner tschechischen, vaterländischen Basis.


Gregor Johann MENDEL
(1822-1884)
(Mendlovo nam. / Mendelsplatz in Brünn Mitte)

Gregor Johann Mendel trat im Jahr 1843 in die Augustinerabtei ein. Während seines Theologiestudiums studierte er auch Landwirtschaft und Weinbau in Brünn,  später Naturwissenschaften in Wien. Kurze Zeit wirkte er als Professor am Gymnasium von Znaim. Im Jahr 1854 wurde er Professor für Physik und Naturwissenschaften an der Realschule in Brünn (im unteren Bereich der Jánská Straße).

Er war aktives Mitglied einer Reihe von naturwissenschaftlichen Gesellschaften,darunter:

  • Naturforschender Verein in Brünn
  • Mährisch-Slesische Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschaft
  • Bienenzüchterverein

Im Garten der Altbrünner Abtei führte er Experimente mit Kreuzen von Pflanzen durch. Beim Züchten von Erbsen leitete er seine Theorie der Vererbung ab und bewies ihre Bedeutung für die Veredelung von Arten. Im Jahre 1871 ließ er am Hang hinter der Abtei ein Versuchsbienenhaus errichten, das nach nach einigen Ausbesserungsarbeiten heute noch steht. Er richtete auch eine Station für meteorologische Beobachtungen auf dem Gelände der Abtei ein. Erst 1910 erhielt sein Werk weltweite Anerkennung. Ein internationales Komitee von 150 Naturwissenschaftern ließ Mendel ein Denkmal (von Theodor Charlemont) errichten, das heute im Garten der Abtei zu sehen ist.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.mendel-museum.org

Pavel KØ͎KOVSKÝ (1820 - 1885)
(Køížkovského ulice / Køížkovský Straße in Alt Brünn)

Pavel Køížkovský war Ende des 19. Jahrhunderts eine Stütze des Brünner Musiklebens sowie des kulturellen Lebens ganz allgemein. Er wurde als Sohn eines Bauern in Holasovice bei Opava geboren. Er kam 1843 nach Brünn, um Philosophie zu studieren. Kurz danach trat er in den Augustinerorden ein und wurde nach Ablegung seiner Gelübde Chorleiter im Altbrünner Dom. Diese Funktion hatte er in den Jahren 1848 bis 1872 inne. Anläßlich der großartigen Feierlichkeiten zu Ehren der Heiligen Cyrill und Method im Jahre 1863 komponierte er die Kantate Sv. Cyril a Metodìj (Hl. Cyrill und Method), deren Aufführung er mit einem monumentalen Aufgebot an Sängern und Publikum, selbst leitete.

Køížkovský stand viele Jahre lang der Altbrünner Thurn Stiftung vor, die schon im Jahre 1653 beim Augustinerkloster gegründet wurde. Hier unterrichtete er Musik, Musiktheorie und das Orgelspiel. Er war ein bedeutender Musikpädagoge, -theoretiker und Komponist und nicht zuletzt Bahnbrecher im Chorgesang und Chorleiter. In seinen letzten Lebensjahren ging er nach Olmütz und wirkte dort als Kapellmeister, Chorleiter und Komponist in der St. Moritz Kirche. In dieser Zeit widmete er sich dem Studium und der Reform des kirchlichen Gesanges. Seine Stafette im Altbrünner Chor übernahm Leoš Janáèek.



Leoš JANÁÈEK
(1854-1928)
(Janáèkovo nam. / Janáèek Platz in Brünn Mitte, Janáèek Akademie, Janáèek Theater)

Auch wenn er nicht den Brünner Augustinern angehörte, war doch sein Leben sehr eng mit der Altbrünner Abtei und der Augustiner Thurn Stiftung verbunden.

Als Stipendiat kam er im Jahre 1865 in die Altbrünner Abtei und dank der Augustiner Thurn Stiftung erhielt er eine musikalische Ausbildung, besuchte das Gymnasium und hatte Zutritt zum Brünner Kulturleben. 1872, nachdem Pavel Køížkovský nach Olmütz gegangen war, wurde Janáèek, sieben Jahre nach seiner Aufnahme in die Stiftung, Leiter des Altbrünner Chores.

Im Jahre 1925 erhielt Leoš Janáèek, der begabte Junge, der aus der Augustiner Thurn Stiftung hervorgegangen war, das Ehrendoktorat der Masaryk Universität.

Sein Werk ist ein Kleinod der Opernbühnen und Konzertpodien der Welt, das von berühmten Sänger wie Instrumentalisten geschätzt und gerühmt wird.

Die Brünner Augustiner begleiteten  Leoš Janáèek auf seinem letzten Weg aus der Grabeskapelle der Altbrünner Basilika.

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Die Zeit des Nationalsozialismus und die kommunistische Ära

Eine neue Epoche der Geschichte der Augustinerabtei in Alt Brünn begann mit den Jahren der nationalsozialistischen Besetzung.

An dieser Stelle muss der Opfer der Ordensmitglieder gedacht werden, die aufgrund von Anzeigen wegen antideutschen Denkens und Handelns, In-Sicherheit-Bringen klösterlicher Wertgegenstände vor den deutschen Ämtern und wegen Anhörens alliierter Radiosender vor ein nazistisches Gericht gestellt wurden. Es sind dies: P. Alfons ZADRAŽIL, Prälat P. BAØINA, Pfarrer P. DVOØÁK, P. Norbert DOLEŽAL, P. Alois PØIBYL, P. Florián Fulgenc JANÈÍK.

P. Alfons Zadražil bezahlte, ebenso wie der damalige Pförtner der Abtei, Martin Lukáš, für diese Taten mit seinem Leben. Sie wurden im Februar des Jahres 1945 im Kaunitzheim hingerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bedeuteten nur die ersten Nachkriegsjahre einen Anflug freien Lebens für die Mitglieder des Augustinerordens in Alt Brünn. Schon im Jahre 1950 wurde die Tätigkeit des Ordens eingestellt, die Mönche wurden großteils eingesperrt, in Arbeitslager geschickt oder in minderwertige zivile Berufe zerstreut. Die Objekte der Abtei wurden enteignet, später wurde ein Teil vom Institut für Archäologie verwendet. Die geistliche Tätigkeit wurde auf die Seelsorge der Pfarre bei der Basilika eingeschränkt.

Erst  nach dem Fall des Kommunismus und der Einführung der Demokratie konnten die Augustiner im Jahre 1989 in ihre Abtei zurückkehren, wo sie die schwere Arbeit der Generalsanierung erwartete, die ihnen mit Gottes Hilfe nach und nach gelingt.